Produktion von Kaschmir

Die Verarbeitung der Fasern in Kaschmir dürfte ein wesentlicher Grund für die Namensgebung als Kaschmirwolle sein, selbst wenn sich die Haltung der Ziegen und die Verarbeitung der Wolle verlagert hat. Heute ist das frühere Fürstentum Kaschmir, ist heute dreigeteilt und wird gleichermaßen von China, Indien und Pakistan beansprucht.

Wichtigste Erzeugerländer sind heute, China (Gebiet der sogenannten Inneren Mongolei), die Mongolei, der Iran und das mittelasiatische Hochland Pamir. Es finden sich jedoch auch seit 1970 große Zuchtfarmen in Australien, Neuseeland und in Schottland Zu den kleineren Produzenten zählen unter anderem Kirgistan. In der ursprünglichen Kaschmirregion werden heute vornehmlich Kleinigkeiten wie zum Beispiel Schals und Mützen hergestellt.

Ich selbst kann aus eigener Anschauung nur von den Produkten in der Mongolei berichten:

Wegen der Bodenbeschaffenheit und wegen des Klimas kann in der Mongolei nur wenig Ackerbau betrieben werden. Die mittlere Landeshöhe liegt bei etwa 1580 Meter über dem Meeresspiegel. Es dominieren grasbewachsene Steppen mit Bergen im Norden und Westen zwischen 3000 und 4000 Meter Höhe, sowie die Wüste Gobi im Süden. Bedeutendste Wirtschaftszweige sind die nomadische Viehwirtschaft (Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen) und der Bergbau. Die Mongolei besitzt ein trockenes kontinentales Klima: Im Winter liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei −25 °C, im Sommer bei +20 °C, Auch die Temperaturdifferenzen zwischen Nacht und Tag sind ungewöhnlich hoch und erreichen bis zu 32°C. (https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolei)

saranzul cashmere

Die Mongolei verfügt heute über circa 20 Millionen Kashmirziegen, die von nomadischen Hirten behütet werden. Sie weiden frei in der mongolischen Steppe. Ziegen und Menschen leben in einem rauen, extremen Klima mit Temperaturschwankungen von +40 bis auf -40 Grad. Je eisiger der Winter, desto feiner und länger wird das Unterhaar der Ziegen.

In der Mongolei werden diese Ziegen von Nomaden gehalten, die mit Ihren Herden in zeitlichen Abständen die Weiden wechseln. Die Nomaden bevorzugen auch heute noch das Auskämmen der Ziegen mit der Hand.

Traditionell wird das das Fell während des Fellwechsels zum Ende des Winters bzw. im Frühjahr ausgekämmt. Das ausgekämmte Haar wird dann in Betrieben weiterverarbeitet. Dort wird das Haar schlechten Partien grob aussortiert und das Haar nach Farben von Hand sortiert. Danach wird das Unterhaar gewaschen, um Fett und Verunreinigungen zu entfernen. Das Haar wird danach entgrannt, indem das mit ausgekämmte übriggebliebene grobe Deckhaar (Grannen) von der gewünschten feinen Unterwolle getrennt wird, heute meist maschinell.

Tierschutzverbände kritisieren zu Recht die Schur von Ziegen. Dies führt sicher einerseits zu Verletzungen der Tiere und eventuell auch zum Erfrieren der Tiere. In meiner Heimat – der Mongolei – habe ich die Schur von Ziegen nicht erlebt. Ich kann mir dies in der nomadischen oder teilnomadischen Ziegenhaltung auch nicht richtig vorstellen. Schurmaschinen sind für die Nomaden auch kaum praktikabel, weil in den Nomadenjurten bereits die Stromerzeugung für die Maschinen ein Problem darstellt und nur über Solarzellen und Batterien vorhanden. Ferner dürften die Maschinen einiges kosten. Beides – Geld und Strom – sind in der mongolischen Steppe bei den Nomaden knapp. Ich kenne in der nomadischen Tierhaltung der Mongolei nur das Auskämmen mit einem Kamm. Meine Erfahrungen sind, dass die Ziegen das Auskämmen ähnlich einer Massage genießen. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass es Viehhalter gibt, die maschinelle Schermaschinen haben. Ich kenne nicht jede Ecke der Mongolei. Ich selbst habe es nicht gesehen.

Was bei Haltung der Ziegen auf Farmen in China, Iran, Australien oder Neuseeland stattfindet, kann ich nicht sagen. Dort hat es Strom. Ich lehne die Schur der Ziegen anstelle des Auskämmen jedenfalls ab, da ich mir nur vorstellen kann, dass dies auf Kosten der Tiere gehen kann.

Ein weiterer Vorwurf kommt dem Umweltschutz: Die Ziegenherden würden größer, sodass dies zur Versteppung des Graslands führe. Schuld daran sind vor allem die Kaschmirziegen, die das Gras gleich mit der ganzen Wurzel ausrupfen.

Die chinesische Regierung hat wohl in bestimmten Gebieten Weideverbote erlassen. Die neuen Gesetze zwingen viele Kaschmirzüchter, ihre Höfe aufzugeben und ihre Heimat zu verlassen. (https://www.ndr.de/fernsehen/Kaschmir-die-kostbarste-Wolle-der-Welt,sendung438170.html)

Auch die Ziegenherden in auch in der Mongolei sind in den  in den letzen 20 Jahren größer geworden. Dies zeigen staatliche Tierzählungen. Offenbar scheint nach meinem Eindruck die nomadische Tierhaltung mit dem mehrmaligen Wechsel der Weidegründe einen positiveren Einfluss zu haben, als eine feste Farmhaltung. Ich werde mich hierzu aber noch schlauer machen.